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Nein, ihr seid keine Rassist*innen! Es ist eure Tradition und die lasst ihr euch nicht nehmen! Denn heute wird ein Dessert aus dem Sortiment entfernt, morgen verbietet man das Schmelzen von Käse und übermorgen das Alphornblasen! Traditionen sind Traditionen und haben nichts mit Rassismus zu tun! Nur weil der Name aus einer Zeit stammt, in der Afrika ausgebeutet und politisch beherrscht wurde? Nur weil der Name offensichtlich rassistisch ist, da er für Rückständigkeit und Schmutz steht, seid ihr doch noch lange keine Rassist*innen!

Schon die Völkerschauen wurden euch weggenommen! Für diese wurden Menschen nach Europa verschleppt, als minderwertige Kulturen ausgestellt. Aber auch das ist kein Rassismus! Es war eine Tradition! Schliesslich erfreuten wir uns an diesen Völkerschauen über 100 Jahre lang! Der Zirkus Knie zeigt sie sogar bis 1964. Es war also eine schöne Schweizer Tradition! Menschen auszustellen!

Schweizer Tradition gehen aber leider verloren, und nicht mal eure Schweizerische Volkspartei ist imstande, diese zu schützen. Und zwar nicht nur diejenigen, die heute und morgen in Gefahr sind. Nein, auch diejenigen, die wir verloren haben. Wer bringt uns die Menschenzoos zurück?

Wenn ihr Menschenzoos wollt, dann stellen wir euch die ganze SVP-Riege in den alten Bärengraben in Bern: Mörgeli versucht mit zwei Steinen ein Feuer zu machen, Martullo-Blocher schaut, dass ihr Papa nicht ins Feuer rennt und Köppel rutscht auf den Knien umher, um seine verlorene Brille zu suchen. Alle nur mit einem Kuhfell bekleidet und zur Belustigung verkaufen wir euch Dublerköpfe, die ihr den Ausgehungerten zuwerfen könnt.

Wenn ihr dann auf eure Volksvertreter*innen runterschaut, seht ihr, wie sie euch mitleidig angucken.Wer wirft dann dem alten gebrechlichen Christoph den ersten Dublerchopf an den Kopf? Wohl kaum jemand und dann werdet ihr vielleicht sehen, dass sich Rassismus niemals legitimieren lässt, schon gar nicht als „Tradition“.

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Ihr seid echte Held*innen! Schade, wart ihr vor Corona noch nicht so gut organisiert! Sonst hätten wir in der Schweiz keine Sozialdetektive, keine verfassungswidrige Polizeigesetze und keine massiven Grundrechtseingriffe im Asylwesen. Ihr hättet dagegen demonstriert und für die Freiheit gekämpft! Denn im Gegensatz zu uns blinden Schafen wisst ihr, dass einzig Verschwörungsideologien und Esoterik den Weg zur Freiheit zeigen können.

Und wie belesen ihr seid! Auf Social Media bringt ihr ein Zitat nach dem anderen. Während wir einfach Gestrickten mühselig nach Quellen suchen, haut ihr die Weisheiten der grossen Denker*innen einfach aus euren Gedächtnissen raus.

Und wie ihr wisst, braucht man/frau sich doch eigentlich gar nicht lange mit irgendwelchen Theorien zu beschäftigen. Staatskunde? Gesellschaftstheorie? Alles Humbug, wenn man/frau über so feine Antennen verfügt wie ihr! Ihr habt das einfach im Gefühl und ihr wisst halt, dass der Ken, der Attila und der André es gut meinen mit der Menschheit und uns die Augen öffnen wollen. Und wir Idiot*innen machen noch Faktenchecks.

Deswegen begreift ihr im Gegensatz zu uns, dass wir in einer Diktatur leben. Wir Schlafenden glauben fälschlicherweise, dass es in einer Diktatur nicht möglich ist, samstags ohne repressive Massnahmen zu demonstrieren.

Auch habt ihr begriffen, dass es beim Demonstrieren nicht um andere gehen soll! Was interessieren uns die Textilmitarbeiterinnen in Bangladesch? Die Menschen in den Lagern auf Lesbos? Demonstrieren macht doch nur Sinn, wenn es um einen selbst geht! Endlich wieder sorgenfrei an den Arbeitsplatz zurück! Endlich wieder am Samstagnachmittag zu IKEA und ein paar Hot-Dogs reindrücken, endlich wieder für zwei Wochen nach Thailand ins Yogaretreat fliegen. Warum für andere demonstrieren? Wir sind doch alle Menschen! Nur Idiot*innen schwafeln etwa von Rassimus, Sexismus und Diskriminierung. Strukturelle Benachteiligungen? Wenn wir uns alle an den Händen halten, gibt es so etwas nicht ! Und die doofen Sozialarbeiter*innen in den Aussteigerprogrammen für Rechtsextreme checken dank euch, dass sie die Faschos einfach hätten umarmen müssen. A propos Rechtsextreme: Warum sollte man sich von ihnen distanzieren? Es sind doch auch einfach nur Menschen.

Während wir also versuchen, uns zu bilden, uns gerade jetzt in Corona-Zeiten durch den Dschungel an Information zu kämpfen, geniesst ihr eure Überlegenheit und meditiert das Coronavirus einfach weg! Ihr postet weltverändernde Gedanken ins world wide web; diese deepen Gedichte und nachdenklichen Songs helfen uns Normalsterblichen beim Erwachen. Und auf euren Fotos unterstreicht ihr eure Weisheit, indem ihr nachdenklich in den Himmel guckt. Das ist so bereichernd für unser kleines Schafherden-Dasein!

Nach Corona gibt es einiges zu demonstrieren. Nur leider wird es nicht mehr um das gehen, was euch am allerwichtigsten ist: Um euch selber.



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Aktualisiert: Mai 18

Ruedi Noser verschrie den Vorschlag von Mattea Meyer als Populismus und setzte sich für die Ausschüttung der Dividenden ein, da dies eine legale Handlung sei. Wahrscheinlicher ist aber der Gedanke, dass auch Herr Noser von dieser Legalität in höchsten Massen profitiert; als Alleinaktionär der Noser Management AG kann er die Dividenden vollumfänglich alleine einstreichen.

Nichts desto trotz zeigt der Ständerat Ruedi Noser auch seine solidarische Seite: So erklärt er der Nationalrätin Meyer bisweilen das "reale Leben" aufgrund der Tatsache, dass er selber dazumals eine Berufslehre abgeschlossen habe. Und dabei verschweigt, dass er auch über Abschlüsse prestigeträchtiger Hochschulen wie der Hochschule Sankt Gallen oder der Universität Zürich verfügt und ein Fachhochschulstudium abgeschlossen hat.

Somit dient seine Person als perfektes Abbild des neoliberalistischen Gedankens, dass durch Selbstverantwortung, Pflichtbewusstsein und harter Arbeit aus einem Tellerwäscher doch einmal ein Millionär werden kann - man(n) muss es einfach nur wollen.

"Die Wirtschaft" steht dabei im Hintergrund als eine Art "Quasi-Religion"; etwas Absolutes und Natürliches, was es schon immer gegeben hat. Dass diese Religion aber leider nicht auf einer Moral basiert, welche beispielsweise verhindert, dass Dividenden trotz Kurzarbeitsantrag fliessen, lässt an ihr zweifeln. Ebenso zweifelhaft ist es, dass die Gläubigen die zugrunde liegenden religiösen Strukturen völlig verkennen und dass sie das Kapital über die Leben der Menschen stellen, denen die eigene Lebensrealität täglich um die Ohren fliegt.


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